„7 auf einen Streich“ Nähen und Schneidern

Unser Projekt „7 auf einen Streich“ Nähen und Schneidern wird von der Heidehofstiftung in Stuttgart gefördert. Wir bedanken uns für die Unterstützung!

Stichpunktartige Projektbeschreibung „7 auf einen Streich“ Nähen, Schneidern, Modedesign

Inhalt: Einführung in den Umgang mit Nähmaschine, Erstellen von Schnittmustern, selbstständiges Anfertigen von Accessoires u. Kleidung

Zielgruppe: max. 6 Mädchen/Jungen von Förderschulen Lernen, Alter 13 – 16 Jahre

Zeitrahmen: ganzjährig, 1x pro Woche, 3 Stunden

Zur allgemeinen Info:

Das Kinderhaus Luise Winnacker e.V. arbeitet seit 1995 schwerpunktmäßig mit sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen mit einem hohen Anteil an Migrationshintergrund. Dies geschieht in ständiger und enger Kooperation mit Wuppertaler Förderschulen und Wuppertaler Brennpunkt Grundschulen, wobei der Bedarf an alternativen pädagogischen Angeboten bei den letzteren zunimmt.
Unser Konzept zeichnet sich dadurch aus, dass Lehramtsstudenten der Wuppertaler und weiterer Universitäten in NRW mitverantwortlich in die Betreuung der Kinder und Jugendlichen einbezogen sind. Dies geschieht mit der Zielsetzung einer notwendigen praxisorientierten und berufsrelevanten Lehrerausbildung. Diese Tatsache möchte von uns als zukunftweisend und beispielhaft hervorgehoben werden.
Durch die ständige und enge Kooperation zwischen Schule, Lehramtsstudierenden verschiedener Universitäten und dem Kinderhaus Luise Winnacker besteht ein äußerst intensiver pädagogischer und sozialpädagogischer Austausch, der neue wissenschaftliche Erkenntnisse sowohl im Förderschul- als auch im Bereich der Allgemeinen Schulen in der Praxis umsetzt, überprüft, bestätigt, in der Rückmeldung korrigiert oder an der Basis gewonnene Erkenntnisse zur Berücksichtigung weitergibt.

Zielgruppe:

Neben ihrer angeblichen Lernbehinderung und ihrer Aussonderung in so genannten Förderschulen ist den angesprochenen Mädchen (und Jungen) ein desolates, anregungsarmes familiäres Umfeld gemein. Dies wird auch nicht durch die Angebote der Schule aufgefangen.
Ohne entsprechende außerschulische Angebote haben die Jugendlichen kaum eine Chance, sich aus ihrem durch Phlegma, Schwerfälligkeit, Antriebsarmut und Fernsehkonsum geprägten Alltag zu befreien.
Die ausgewählte Zielgruppe setzt sich aus SchülerInnen der Förderschule Lernen zusammen. In dem geplanten Projekt werden Lerngelegenheit bereit gestellt, die keinen direktenschulischen Kontext haben, jedoch erfahrbar machen, dass lebenslanges Lernen und Weiterbildung sowie Aneignen von Fähigkeiten wichtig, notwendig und bereichernd sind. In jedem Fall wird durch kreative Anregung wieder ein natürliches Lernbedürfnis geweckt.

Zielsetzung allgemein:

Qualifizierung für das tägliche Leben durch Hilfe zur Selbsthilfe – ein emanzipatorisches Projekt. Hinführung zu kreativer Arbeit. Unser Angebot ist darauf ausgerichtet, soziale Benachteiligungen abzubauen, konkrete Hilfe in Fragen der Lebensbewältigung zu geben (z.B. Arztbesuche) und individuelle Beeinträchtigungen (z.B. Nachhilfe Lesen und Rechtschreibung) zu überwinden. Dies geschieht durch Vermittlung von Wissen, Aufbau von Einsichten durch Erfahrungen sowie darauf folgende praktische Umsetzung, Übung und Anwendung.
LEARNING BY DOING – im Unterschied zum schulischen Lernen.
Das Konzept des Projekts ist ausgerichtet auf Mitarbeit, Mitverantwortung und Mitbestimmung u.a. durch:

  • Vermittlung von Wissen
  • Aufbrechen verfestigter Leistungsverweigerungshaltung
  • Stärkung des Durchhaltevermögens / Überwindung von Antriebsschwächen
  • Bewusstmachen eigener Stärken
  • Wecken und Fördern der Sinne, der Kreativität
  • Entdecken unbekannter Potentiale
  • Entwicklungsimpulse geben
  • Aufbau von Verantwortungsbereitschaft

Das Nähkurs-Projekt „7 auf einen Streich – Nähen und Schneidern “ wurde im Kinderhaus Luise Winnacker e.V. Mitte des Jahres 2010 initiiert. Der Erfolg war so groß und die Mädchen so begeistert, dass wir das Projekt auch für das laufende Jahr unbedingt weiterführen möchten. Das Projekt findet in Zusammenarbeit mit unseren Kooperationsschulen, insbesondere Förderschule Lernen, statt, ist jedoch unabhängig von schulischen Maßnahmen.
Der Nähkurs wird geleitet von einer staatlich geprüften Bekleidungstechnikerin, die ihre Tätigkeit als Schneiderin und Ausbilderin in der Bekleidungsindustrie hat und in Wuppertal ein eigenständiges Atelier unterhält.
Die Grundidee zu einem solchen Projekt entstand in Gesprächen mit den im Kinderhaus anwesenden Mädchen über Sommer- und Freizeitmode und wie einfach es sein kann, sich selber etwas zu nähen und welche Berufsideen daraus entstehen können.
Es zeigte sich, dass durch die Förderung der handwerklichen Geschicklichkeit eine Kreativität entsteht, die zu erfreulichen Ergebnissen führt. Die Mädchen – leider haben sich 2 anfänglich beteiligte Jungen wieder zurückgezogen – werden angeregt, ihre Feinmotorik weiter zu entwickeln, weil der fachgerechte Umgang mit Nähnadel und Nähmaschine dies erfordert. Die Erfahrung, etwas selber herstellen zu können mit wenigen Mitteln und mit den eigenen Händen, führt zu Selbstbewusstsein und zur Änderung eines gedankenlosen Konsumverhaltens.
Der Lernprozess geht über das Nähen hinaus, wenn die Überlegung ansteht, das gefertigte Produkt zu verkaufen: Stofftaschen, Nadelkissen, Handytaschen, Schals und Tücher, Stulpen etc. in Boutiquen oder auf dem Flohmarkt. Hier lernen die Mädchen zu kalkulieren und sich auf die aktuellen Besonderheiten und Bedürfnisse einer Käuferschaft einzustellen.
Wichtig sind auch die Gegebenheiten im Umfeld des Nähens, wie z.B.

  • Einkauf von erforderlichen Materialien wie Stoffe und Nähzubehör
  • Fachgerechter Umgang mit Schnittmustern
  • Grundlagen der Kalkulation
  • Erstellen von Rechnungen für den Verkauf der angefertigten Dinge
  • Einblick in den beruflichen Alltag durch Besuche im Atelier der Kursleiterin
  • Erwerb von Kenntnissen über Materialzusammensetzung der Stoffe (Fachwissen)

Wir betrachten dies alles als besondere Kreativitätsförderung und als Anregung für eine zukünftige Berufstätigkeit.